Das feministische Gesetz

Das Thema Abtreibung ist ein Minenfeld. Egal wie man Stellung bezieht, viele werden sich so oder so vor den Kopf gestossen fühlen. Und trotzdem erachte ich es als notwendig, dieses Thema aus gegebenem Anlass aufzunehmen.

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In der Schweiz findet kommenden Februar eine Abstimmung über die Finanzierung der Abtreibungen statt. Diese ist heute so geregelt, dass grundsätzlich jede Abtreibung in den ersten 12 Wochen durch die obligatorische Grundversicherung abgedeckt wird. Voraussetzung dafür ist, dass die Frau geltend macht, sie befinde sich in einer „Notlage“. Die Definition einer „Notlage“ hingegen ist in der Praxis sehr dehnbar wie Beispiele aus der Öffentlichkeit sowie Erfahrungsberichte aus Kliniken sowie Anzahl Abtreibungen zeigen. Eine Initiative will nun erreichen, dass ausser in Notlagen wie medizinisch zwingenden Fällen oder Vergewaltigungen, Abtreibungen privatversichert werden sollen und nicht mehr „solidarisch“ durch die Gemeinschaft getragen werden muss. In Österreich ist dies bereits seit Langem erfolgreich der Fall.

Ich will nun an dieser Stelle keine Diskussion über Pro oder Kontra von Abtreibungen lancieren. Mir geht es heute ausschliesslich um die Rechte der Männer bei diesem schwierigen Thema. Unabhängig davon, wie die Finanzierung aussieht, hat der Mann dem heutigen Gesetz nach kein Mitbestimmungsrecht. Der Gesetzestext sieht vor, dass der Mann in einer Gesellschaft, in der die Frau ein “Recht auf Abtreibung” beansprucht, kein Recht mehr hat, sein ungeborenes Kind zu verteidigen. In einem demokratischen Sozial- und Rechtsstaat ist es dem Vater verwehrt, sein eigenes, werdendes Kind zu beschützen. Der Mann wird damit ganz bewusst aus der Verantwortung gedrängt, was ihm dann wieder als Vorwurf vorgehalten wird (Männer scheren sich nicht um die Verantwortung). Der Mann ist nicht in den Entscheidungsfindungsprozess aktiv und berechtigt eingebunden. Ganz nach dem Motto my body, my choice, your money werden dann die Kosten aber dennoch auf alle Männer (und Frauen!) durch die Grundversicherung übertragen. Kann es das sein? Ist das eine gleichberechtigte Sichtweise? Werden da nicht wieder feminismustypisch einzig die Anliegen der Frau berücksichtigt? Wenn man die Erfahrungsberichte von werdenden Daddys im Internet liest, wird dies klar. Sie leiden darunter, dass das heutige Gesetz Männer im Entscheidungsfindungsprozess ausgrenzt. Es entrechtet Männer und bürdet ihnen gleichzeitig alle Pflichten auf. Ob Abtreibung oder Geburt, der Vater muss sich gänzlich dem Willen der Frau beugen. Genau so wie es den FeministInnen beliebt. Klar muss sich jeder Mann bewusst sein, dass durch sexuellen Verkehr auch ein Kind entstehen kann, das gilt aber genau so für die Frau.

Für mich gibt es zwei mögliche Lösungswege:
1. Die Männer werden in den Entscheidungsfindungsprozess „Abtreibung ja oder nein“ gleichberechtigt miteinbezogen und tragen Verantwortung in allen Bereichen
2. Die Männer werden aus der finanziellen Verpflichtung dadurch entlassen, dass die Abtreibungsfinanzierung aus der Grundversicherung gestrichen wird und als Zusatzversicherung freiwillig, aber durch die Frau selber getragen wird. Mein Bauch gehört mir hat eben auch Konsequenzen, die man nicht einfach auf die Männer abschieben kann.

Ich bin mir sehr bewusst, dass es ein schwieriges Thema ist. Aber die heutige Gesetzeslage hat derart Schlagseite zu Lasten der Männer, dass dringend eine Korrektur nötig ist. Aus diesem Grund werde ich am 09. Februar 2014 ein überzeugtes JA einlegen. Im Wissen, dass damit das Problem noch nicht gelöst ist und das Leiden einiger entrechteter Männer weitergehen wird.

Es grüsst

Karl Müller