Positive Diskriminierung von Frauen?

Wiedereinmal ist mir ein Dokument zugespielt worden, das eigentlich Sprengkraft hat. Eigentlich. Denn es ist ein öffentliches Dokument, nämlich ein Gesamtarbeitsvertrag (GAV) der Maschinen- , Elektro- und Metall-Industrie der Schweiz. Darin sind in Übereinkunft mit den Vertragspartnern wie Arbeitgeberverband, Gewerkschaften, Angestelltenverband sowie kaufmännischer Verband die vertraglichen Rahmenbedingungen definiert, die für Unternehmen in der jeweiligen Industrie verbindlich sind. Nun, was hat denn Sprengkraft? Und vor allem, weshalb ist dies in der Öffentlichkeit, jawohl den Qualitätsmedien, kein Thema?

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Da steht in den Grundsätzen Artikel 8.6 Punkt 3 doch Folgendes:

– Die Vertragsparteien erarbeiten miteinander Hinweise und Empfehlungen für die Betriebe, wie die Männer in ihrer beruflichen Entwicklung speziell gefördert werden können. Sie bilden dazu eine gemeinsame Kommission gemäss Art. 8.2.

Sie lesen richtig. Da sollen Mitarbeiter aufgrund ihres (männlichen) Geschlechts, speziell in ihrer beruflichen Entwicklung gefördert (=gegenüber den Frauen bevorzugt) werden. Der Treppenwitz schlechthin ist jedoch im vorherigen Punkt 2 die Formulierung:

– Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dürfen gemäss Gleichstellungsgesetz aufgrund ihres Geschlechts weder direkt noch indirekt diskriminiert werden.

Mein lieber Herr Gesangsverein! Wie studiert muss man sein, um den Widerspruch nicht zu erkennen? Punkt 2 verbietet die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, Punkt 3 verlangt die Diskriminierung aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit. Und alle nicken das Offensichtliche ab, kein Sturm durch die sozialen Medien, keine Erregung einer Gleichstellungsbeamtin.

Ja, Sie haben es sicherlich schon lange bemerkt. Es stimmt etwas nicht in meinen Zitaten. Denn wäre es so, dann können Sie Gift nehmen, dass ein Sturm durch die Mainstream-Feminismusmedien als auch über Twitter mit Hashtag #GAVFrauendiskriminierung blasen würde. Nein, es wäre unmöglich überhaupt soweit gekommen. Natürlich werden Frauen „speziell gefördert“ und natürlich werden Männer dadurch diskriminiert. Alleine aufgrund des Geschlechts. Das ist politisch korrekt, umgekehrt wäre das reaktionär, vorgestrig. Nur progressive Zeitgenossen diskriminieren Männer und bevorzugen Frauen alleine aufgrund ihres Geschlechts! Es lebe der Fortschritt…!

Es grüsst

Karl Müller