Der Elfenbeinturm – der geistige Ort der Abgeschiedenheit

Liebe Freunde

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Vielfach bemühte Aussagen, wenn es um die Verteidigung der feministischen Position geht, habe ich zusammengetragen und kommentiert:

„Wohl aber kann man Unternehmen veranlassen, über die angeblich bequemen und wenig ehrgeizigen Frauen nachzudenken – in ihrem eigenen ökonomischen Interesse.“

Diese Passage bezieht sich auf die Frauenquote. Die Meinung ist also, anhand der Zwangsquote über ein Gesetz könne man Unternehmen „veranlassen“, oder zu deutsch zwingen, über Frauen nachzudenken, in ihrem eigenen ökonomischen Interesse. Klingt irgendwie harmlos, so wie es formuliert ist. Doch welche Botschaft wird hier implizit, na ja eigentlich explizit vermittelt?

1. Es braucht ein Gesetz = Zwang, dass Unternehmen über ihre eigenen ökonomischen Interessen nachdenken.

2. Nach dieser Aussage, denken heute zum eigenen ökonomischen Nachteil, die Unternehmen nicht nach. Der Grund für diese Unterlassung bleibt sie uns, wie alle Feministinnen, leider geschuldet.

3. Frauen seien „angeblich“ bequem und wenig ehrgeizig. Leider bleibt uns hier die Argumentation vorbehalten.

Kurz: Es wird den Unternehmern direkt unterstellt, dass diese nicht wüssten, was für ihren ökonomischen Erfolg gut ist. Ja sie denken nicht mal darüber nach. Darum brauche es Zwangsmassnahmen per Gesetz. Soviel zum Thema Betriebswirtschaftslehre und Marktwirtschaft.

Unternehmen müssen nicht nur auf ihre aktuellen Erträge schauen, sondern auch auf die Ressourcen für zukünftige Erträge. Das gilt nicht nur für die Lehrlings- und Trainee-Ausbildung, sondern auch für die Frauen, die ja mittlerweile eine formal bessere Ausbildung haben als die Männer.

Soweit so gut, als Folge der Buben- und Jungenbenachteiligungen an unseren Schulen ist das auch zu erwarten. Die wichtigste Frage aber wird ausgelassen: Die Mehrheit der Frauen absolvieren ihr Studium in Bereichen wie Geisteswissenschaften und eben nicht in Natur- und Ingenieurwissenschaften. Dass sich dies auf eine weitere Karriere entsprechend auswirkt, auch lohnmässig, wurde schon vielfach erforscht und belegt. Zudem unterstellt sie den Unternehmen erneut eine Unfähigkeit, nämlich „statt nur auf die aktuellen auch auf die zukünftigen Erträge und die benötigten Ressourcen zu schauen“. Bamm. Strategie, Nachfolgeplanung etc. müssen in den Unternehmen wohl bisher eine konstante Unbekannte sein. Da braucht es natürlich einen erweiterten Horizont, damit diese Unternehmen nun endlich auch mal in die Zukunft schauen – und Frauen entdecken. Ein weiterer Kommentar dazu erübrigt sich.

Sind berufstätige Frauen mit Doppelbelastung bequem, wenn sie neben ihrem Job ein Mehrfaches ihrer Männer im Haushalt arbeiten und nach den Kindern schauen?

Nun denn. Nimmt man sich die Mühe, die Webseite des Bundesamtes für Statistik zu lesen, dann stellt man sehr schnell fest, dass fast drei Fünftel der erwerbstätigen Frauen sowie nur rund 14 % der erwerbstätigen Männer Teilzeit arbeiten. Das heisst, der Löwenanteil der Haus- und Kinderarbeit wird durch die Frauen erledigt, weil die Männer in dieser Zeit Geld verdienen müssen. Oder umgekehrt, die Frauen verdienen weniger weil teilzeitlich arbeitend, die Männer mehr weil Vollzeit angestellt. Das sind Tatsachen, die auch keine feministische Ideologie wegschleckt.

Männer übernehmen nicht nur im Haushalt und in Bezug auf die Kinder weniger Pflichten (dafür kann der Arbeitgeber nur bedingt etwas), sondern viele männliche Vorgesetzte schätzen Frauen nicht, die ehrgeizig, wettbewerbsorientiert und selbstbewusst sind – allenfalls werden sie als Nachwuchs geschätzt, solange sie Nachwuchs bleiben.

Damit startet die feministische Offensive, genug des Versteckspiels. Männer übernehmen weniger Aufgaben im Haushalt, weil sie höhere Pensen im Geschäft leisten (von den Überzeitsaldi wollen wir schon gar nicht sprechen). Das irritiert viele Feministinnen aber nicht, nun „viele Männer“ pauschal und direkt anzugreifen. Viele Männer in Führungspositionen schätzten Frauen nicht, die ehrgeizig, wettbewerbsorientiert und selbstbewusst sind. Wow. Hier sind wir nun beim Mottenkistenfeminismus angelangt, der mit Feindbildern arbeitet. Männer. Männer in Führungspositionen. Männer mit Macht. Gläserne Decke. Frauenhass. Man kann sich anscheinend nicht vorstellen, dass es auch andere Gründe für eine Nichtberücksichtigung bei Beförderungen gibt. Das ist ausgeschlossen. Oder dass auch Frauen andere Frauen oder Männer nicht schätzen würden. Begründet wird diese Aussage mit einer indischen Studie (!), die leider ohne Quellennachweis im Essay bleibt. Aber hier wird das „Ergebnis“ dieser Studie kurz beschrieben:

Es brauchte mehr als zehn Jahre, bis Frauen, die mittels einer Quotenregelung als Gemeindevorsteherinnen gewählt wurden, von den Männern akzeptiert worden sind – trotz hervorragender Arbeit. Sie erreichten Akzeptanz, nicht mehr. Sympathien haben sie nicht erworben.

Aha. Vor allem der letzte Satz ist ungewollt aussagekräftig. Eine Führungskraft ist nicht da, um Sympathien zu erwerben, sondern um als Autorität akzeptiert zu sein und im Interesse des Unternehmens zu handeln. Wenn dabei auch Sympathien der Untergebenen entstehen, um so besser. Aber wer in der Führung arbeitet weiss, dass es immer wieder unangenehme Entscheide zu vertreten oder fällen gibt, die den Vorgesetzten auf der Beliebheitsskala nicht unbedingt nach oben schnellen lassen. Wer da auf Sympathie hofft, der eignet sich nicht für die Führung, sondern ist abhängig von den Meinungen der anderen und kann so zur Manipulationsmasse der Mitarbeiter werden. Und genau das ist fatal in der Führung. Spätestens ab dem Zeitpunkt, an dem die Umsatzzahlen nicht mehr so sind, wie sie sein sollten, funktioniert ein „wir haben uns alle lieb“ nicht mehr. Steuergelder sprudeln aber bekanntlich immer – und in der Schweiz immer mehr.

Praktisch heisst das: Nie eine einzelne Frau ins Feld schicken, in dem sonst nur Männer unterwegs sind. Erst ab drei Frauen realisieren zum Beispiel Männer in Verwaltungsräten, dass Frauen genauso verschieden sind wie sie selber.

Hier zeigt sich das Männerbild deutlich. Die dummen Männer, die vorher den ambitionierten Frauen den Aufstieg verunmöglichten, da sie ehrgeizige Frauen nicht schätzten, sind nun nicht mal in der Lage zu erkennen, dass Frauen untereinander genau so verschieden sind wie Männer. Und das kapieren diese Doofies erst ab drei Frauen. Nein, nicht ab einer Frau im Verwaltungsrat, auch nicht ab zwei, sondern erst ab drei. Dann machts plötzlich klick und die Männer begreifen es. Aber was denn schon wieder genau? Ach ja, dass Frauen auch nicht alle gleich sind. Wow.

Zu guter Letzt kommt noch das übliche Networking-Argument, dass Männer eben Networker seien und Frauen nicht in diese Netzwerkbeziehungen integriert seien, zum Nachteil der Frauen. Diese Argumentation ist schon so ausgelutscht, dass ich nicht mehr darauf eingehe. Auch wird „Frauen sind Minorität und darum hätten sie eine schlechte Position in Netzwerken“ Behauptung bemüht, was ebenfalls an den Mottenkistenfeminismus erinnert, dass Frauen immer Opfer sind und Männer Täter. Diese Art Feminismus sollten wir als Gesellschaft langsam überwunden haben. Offenbar ist es aber noch nicht ganz soweit. Zumindest solange nicht, wie Menschen im Elfenbeinturm der Universitäten in der Abgeschiedenheit und Unberührtheit von der Welt leben – und leider auch gehört werden.

Es grüsst

Karl Müller