Offener Brief an Veit Dengler, CEO NZZ Mediengruppe

Lieber Veit Dengler

Ich habe eine Frage an Sie. Nur eine einzige Frage.

Am Mittwoch, 12. Oktober 2016 wurde von Genderistinnen und einigen feministischen Journalistinnen das Hashtag #SchweizerAufschrei auf Twitter lanciert. Sexuelle Belästigung/Gewalt und Sexismus waren die Themen, die zur Debatte gebracht werden sollten. Verlief am ersten Tag unter #SchweizerAufschrei noch alles sehr einseitig feministisch, wurden die ausgleichenden Wortmeldungen betroffener Männer und solidarischer Frauen immer mehr. Trotz massiver Gegenwehr und Häme seitens vieler Feministinnen (dokumentiert). Die anscheinend das Hashtag als nur für betroffene Frauen „reserviert“ hielten. Einige öffentliche Personen wurden sogar demaskiert, indem auf frühere sexistische Aussagen der selbsternannten „Sexismusbekämpferinnen“ mit Nachweisen hingewiesen wurden. Die Zeitung 20min.ch nahm dies auch auf. Alle anderen Leitmedien der Schweiz polterten weiter im feministischen Gleichschritt, Ihre NZZ war dabei ganz weit vorne dabei. So schaffte es die Neue Zürcher Zeitung, seit dem Start der #SchweizerAufschrei-Kampagne, innert sechs Arbeitstagen ganze sechs Artikel online zu posten. Alle haben denselben Tenor: Frauen sind Opfer, Männer sind Täter. Kein einziger Artikel war ausgewogen, das heisst keiner beleuchtete auch die Sicht der Männer als Opfer von Sexismus. Keiner nahm die Doppelmoral einiger Exponentinnen auf, oder wies darauf hin. Im Gegenteil. Diese demaskierten Exponentinnen wurden weiterhin portiert (zuletzt 21.10.16). Unkritisch, ohne zu hinterfragen oder zu konfrontieren. Dass neben diesen sechs direkt zu #SchweizerAufschrei geschriebenen Artikel gleichzeitig noch viele weitere einseitig feministische Berichte über das Thema Sexismus allgemein veröffentlicht wurden, ist da jetzt nur Nebensache.

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Die NZZ bewirbt sich selber als liberales Blatt mit der Eigenschaft Qualität, sowie fundierter Berichterstattung.

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Lieber Herr Veit Dengler, da sind Sie Ihren eigenen Ansprüchen nicht mal ansatzweise gerecht geworden. Denn diese Berichte waren einseitig und tendenziös. Sie haben viele Männer verletzt. Feminismus hat mit liberal nichts zu tun. Im Gegenteil. Die Jungsozialisten haben das richtigerweise 2015 in ihrem Feminismus-Papier klargemacht: «Keine Befreiung der Frau ohne Sozialismus – kein Sozialismus ohne Befreiung der Frau». Und sie haben recht. Feminismus verträgt sich nicht mit Liberalismus. Das ist wie Licht und Schatten.

Darum meine Frage an Sie: Ist es strategische Absicht der NZZ, den sozialistischen Feminismus weiterhin einseitig zu propagieren und damit die Anliegen betroffener Männer zu ignorieren ja gar zu negieren?

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und hoffe, dass die NZZ auf ihren Weg der Qualität und der fundierten Recherchen zurückfinden mag.

Es grüsst

Karl Müller

 

Die erwähnten sechs Links nach Datum:

14.10.16 http://www.nzz.ch/schweiz/rape-culture-auf-notokay-folgt-schweizeraufschrei-ld.122007

14.10.16 http://www.nzz.ch/gesellschaft/anleitung-zum-anmachen-er-schaut-ihr-nach-das-ist-okay-ld.121903

17.10.16 http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/sexismus-debatte-in-der-schweiz-leider-keine-feministische-hysterie-ld.122485

18.10.16 Repost: http://www.nzz.ch/wissenschaft/bildung/das-schweigen-der-maenner-1.18525655

21.10.16 http://www.nzz.ch/schweiz/sp-nationalraetin-mattea-meyer-ist-sie-die-neue-feministin-der-schweiz-ld.123489?reduced=true

21.10.16 http://www.nzz.ch/schweiz/aktuelle-themen/sexismus-unter-der-bundeskuppel-die-hand-des-pultnachbars-auf-dem-knie-ld.123324