Offener Brief an Herbert Bolliger, MIGROS Genossenschaft

Lieber Herr Präsident der Generaldirektion, Herbert Bolliger

Ich bin ein Migros-Kind. Seit klein ist die Migros bei mir die Nummer eins der Detailhändler. Unangefochten. COOP hatte bei mir nie eine faire Chance, weil ich eben ein Migros-Kind bin. Damit ist nun Schluss. Doch der Reihe nach.

Ihr Publikationsorgan, früher Wir Brückenbauer, heisst heute ja Migros-Magazin. Dieses hat sich in den letzten Jahren redaktionell dramatisch verändert. Leider nicht zum Guten. Irgendwas ist passiert. So höre ich bei Freunden und Bekannten, dass viele die Zustellung bereits beendet haben, andere „lesen“ nur noch die Aktionsangebote im Magazin – die Texte seien oft schlicht tendenziös und ärgerlich. Diesen Aussagen musste ich als Migros-Kind natürlich nachgehen. Und ich fand tatsächlich erschreckende Texte.  Männerfeindliche Texte, unausgewogene Texte, ja gar „Fake News“. Für mich hat sich rasch herausgestellt, dass diese Migros, nicht mehr meine Migros ist. Dass ich mir wohl neue „Eltern“ suchen muss, die mich, speziell als Mann, mit Respekt und Fairness behandeln. Wer das sein wird? Ich stehe erst am Anfang der Ablösung aus dem Migros-Elternhaus. Die Zeit wird’s rasch zeigen.

Damit Sie auch eine Idee davon habe, wie ich auf diese persönliche Einschätzung komme, hier einige zufällige Beispiele aus dem Migros Magazin. Natürlich immer mit Quellennachweis.

1. Bis auf die Tatsache, dass ich kein Mann bin, habe ich als Mensch auf dieser Welt ­jeden Lottosechser gezogen.
Aha. Als Mann habe ich also den Lottosechser? Sterbe früher, werde bei AHV-Eintrittsalter benachteiligt, muss Wehrpflicht leisten oder Abgabe bezahlen? Erleide über 90% der tödlichen Arbeitsunfälle, gehöre zum Geschlecht, das am meisten Obdachlose stellt? Kann bei Abtreibungen meines eigenen Kindes rein gar nichts dazu sagen, aber zahlen? Werde täglich in meinen Väterrechten beschnitten und vor dem Gesetz für gleiche Vergehen härter bestraft (BfS2011) u.v.m.?

2. Aktivistin.ch ist ein radikal-feministisches Kollektiv. Dieses färbte diverse Brunnen in Zürich rot, um auf ein politisches Anliegen aufmerksam zu machen. Die Wasserwerke reagierten sehr verärgert, da dies Reinigungskosten nach sich zog. Auch gehen sie in Spielzeugläden und hängen ihre politischen Botschaften an die Kindespielzeuge, die die Ladenbesitzer dann wieder entfernen müssen. Oder sie gehen am Frauenmarsch mit Plakaten auf die Strasse, die politische Parteien diffamieren. Fragwürdig, dass diese Organisation im MigiMag überhaupt portraitiert wird. Grobfahrlässig aber, dass eine der beiden Autorinnen gratis für dieses Kollektiv arbeitet, dies jedoch im Beitrag an keiner Stelle ausgewiesen wird. Transparenz?

3. Dieselbe Autorin wird in ihrem Portrait im Migros Magazin als genderpolitisch gnadenlos bezeichnet. Ist das also die Stossrichtung der Migros? Genderpolitisch gnadenlos und thematisch schlicht einseitig? Zudem respektlos den leidenden Männern gegenüber wie in Punkt 1 beschrieben?

 

4. Die Aufsteller von 2016 war einer der Artikel im Migros Magazin, der ein grosses Echo auslöste. Weil unerträglich einseitig. Beispielsweise der Punkt 3: „Eine Frau wurde britische Premierministerin“. Nun, da war sie nicht die erste, zudem ist die Queen bekannterweise auch weiblich. Gehört das zum „Highlight“ 2016? Punkt 16: „Die Initiative zur Heiratsstrafe ist nicht durchgekommen.“ Dass also weiterhin nur Verheiratete höhere Steuern bezahlen müssen, ist für das Migros Magazin ein Highlight? Punkt 30: „In Zürich gibts jetzt ein Unisex-WC für Leute aller Geschlechtsidentitäten.“ DAS ist das Highlight 2016 fürs Migros Magazin? Dass Auswüchse der wissenschaftlich höchst umstrittenen Gender-Ideologie installiert werden? Punkt 32: „Ein Grüner wurde Bundespräsident von Österreich.“ Darüber kann man sich freuen oder nicht. Dieses jedoch als Highlight 2016 im Migros Magazin zu bezeichnen ist einseitig und politischer Aktionismus, der nicht ins Migros Magazin gehört. Es ist nicht als persönliche Meinung gekennzeichnet, sondern als Aufsteller 2016 in der Kategorie „Dossier“ getitelt. Somit wirkt es als die Aussage des Migros-Magazins. Die Leserkommentare unter dem Artikel sprechen Bände!

5. Natürlich durfte zum Frauentag keine feministische Kampfparole fehlen. So schrieb die Autorin: „Fakt ist aber: „Man erreicht keine Gleichheit, wenn man die benachteiligten Gruppen nicht pusht.“ Was Sie mit benachteiligten Gruppen genau meint, schiebt sie gleich nach: „Und solange diese Sensibilisierung nicht stattfindet, braucht es mehr Expertinnen an Podiumsdiskussionen, mehr Musikerinnen auf Bühnen, mehr Chefinnen in der Teppichetage. Weil alles andere eine klare Botschaft vermittelt: Dort oben gehört Frau nicht hin. Dort gehöre ich nicht hin.“ Aha, die benachteiligten Gruppen sind also allesamt weiblich. Wieder einmal. In völliger Missachtung der Realität (siehe mein Kommentar zu Punkt 1). Dass die Autorin diese verdrehte Sicht haben darf, sei ihr unbenommen. Dass das Migros Magazin dieser einseitigen und für betroffene Männer schwer verdaulichen Darstellung aber wöchentlich unwidersprochen ein Podium bietet, verletzt aus meiner Sicht die Werte, die sich Migros selber gibt. Vielfalt, Respekt, Gleichstellung.

6. Fake News? Zahnzwischenräume. In diesem Beitrag werden Fake-News und Verschwörungstheorien bedient. Denn noch immer wird Zahnseide zur Säuberung der Zahnzwischenräume empfohlen, wie auch ein Zahnarzt in der Kommentarspalte bemerkt hat.

 

Lieber Herbert Bolliger. Es ist fünf vor zwölf. Und ich habe nicht viel Zeit verwendet, um diese Beispiele zusammenzutragen, es gibt noch viel mehr. Mit dieser einseitigen Politik, ja teils mit Polemik vermischt, werde ich nicht das einzige Migros-Kind sein, das seine „Eltern“ verlässt. Und zur Konkurrenz wechselt. Denn ich will einen zuverlässigen, preiswerten Lieferanten und keine feministisch verbrämten Dogmen zwischen Aktionen und wertvollen Hinweisen im Magazin. Ich fordere Sie darum auf: Kehren Sie zurück zu den Wurzeln des „Wir Brückenbauer“ und beenden Sie die Kundenerziehung durch einseitige und verletzende Meinungsartikel im Migros Magazin.

Herzlichen Dank

Es grüsst ein trauriger

Karl Müller

 



One Response to “Offener Brief an Herbert Bolliger, MIGROS Genossenschaft”

  1. Voll auf den Punkt gebracht! Migros ist mir schon länger negativ augefallen. Da wäre die ominöse „Flaschen-Werbung“, die Männer als gebrauchte Flaschne zum Recyclen darstellte. Aber es gibt noch viel mehr Beispiele….

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