Wer braucht schon einen Vater?

Nach einer sechsteiligen Serie über ein lesbisches Paar im Mamablog des Tagesanzeigers, ist nun endlich schluss damit. Nicht weil ich etwa homophob wäre, sondern weil in dieser Serie eben auch ein Kind eine sehr wichtige Rolle spielt. Ein Kind, das aufgrund der lokalen Gesetzgebung in Dänemark „gespendet“ wurde und das nun hier auf die Welt gekommen ist.

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Bildquelle: freepixels.com

http://blog.tagesanzeiger.ch/mamablog/index.php/32603/zwei-frauen-und-ihr-baby-endlich-mami/

Der Versuch der Autorin, diese Lebensform zu bewerben, mag vielleicht gelungen sein und sei ihr unbenommen. Was aber mit Sicherheit nicht gelang, war der Miteinbezug des „Kindswohl“, das ja heute überall das Wichtigste zu sein scheint, auch wenn jede/r etwas anderes darunter versteht. Denn keiner der sechs Artikel, stellt kritische Fragen zum Kindswohl. Keiner hinterfragte, ob denn nicht doch der Papa, das männliche Geschlecht per se, fehlen wird. Nein, im Gegenteil endet die Serie mit folgendem, vielsagendem Text:

Sind alle drei zusammen unterwegs, werden sie oft in Gespräche verwickelt. «Ah, wer ist denn hier das Mami?» Beide, sagen sie dann. Nach dem Vater habe danach noch nie jemand gefragt.

Nun denn, nach dem Vater hat auch die Autorin in den Artikeln nie gefragt. Und stört es die beiden Mami, dass dieses Kind, ein Mädchen übrigens, völlig vaterlos aufwachsen wird und seine eigene Familiengeschichte auch nie kennen wird? Erschwerend für dieses arme Mädchen kommt hinzu, dass in unserer Schweizer Gesellschaft die Betreuung bis in die Oberstufe zu über 80% von Frauen in Kindergarten und Schule wahrgenommen wird. Das heisst, dieses Mädchen wird massiv weniger Berührungspunkte mit dem anderen Geschlecht haben, als vergleichbare andere Kinder. Gerade in der pubertären Entwicklung wird ihr die männliche Vaterfigur aus Fleisch und Blut komplett fehlen, welche auch keine „zweite Mami“ einnehmen kann. Doch die Pläne dieses Paares sind gemacht, wie es ebenfalls im letzten Artikel geschrieben steht:

Zwei Kinder wollen die beiden noch bekommen: Eines von Tanja, eines von Sarah.

Interessanterweise wurde die Kommentarfunktion in den letzten Artikeln dieser Serie deaktiviert. Die KommentatorInnen haben wohl die Aufgabe wahrgenommen, welche die Autorin unterliess: Kritische Fragen zum Wohl des Kindes.

Es grüsst

Karl Müller